Nicht mein Tag
Da war wieder der Moment. Der Moment, in dem ich mich Frage, wieso das, was gerade passiert, mir wiederfährt. Das erste Mal auf meiner Reise, wo ich das Gefühl hatte, war in Italien, als ich ganz plötzlich von meinen Habseligkeiten erleichtert wurde. Dieses Mal wurde ich zwar nicht direkt um meine Habseligkeiten erleichtert – dennoch hatte ich dieses miserable Gefühl der vielen Steine auf meinem Weg.
Gestern teile mir meine Bank des Vertrauens mit, dass sie meine beiden Bankkonten aufkündigen werden und ich noch zwei Monate Zeit habe meine finanziellen Angelegenheiten zu klären. WAS ZUR HÖLLE? Anschließend werden sie mich als Kunde aus dem System „schmeißen“. So in etwa stand es auf dem Kündigungsschreiben, etwas netter verpackt, aber nüchtern betrachtet war das die Botschaft. Mit dem liebevollen Zusatz: „Bitte beachten Sie, dass diese Kündigung nicht zurückgenommen werden kann als auch das die Frist auf Nachfrage nicht verlängert wird“. Hallo, Kundenservice? Wo bist Du? Anscheint endet dieser, wenn die Kündigung ausgesprochen wurde. Gut zu wissen.
Ich habe das Schreiben erneut gelesen, habe meine IBAN’s mehrfach geprüft und musste wirklich feststellen, dass es sich um meine Bankkonten handelt. Es hätte ja sein können, dass es sich hier um einen anderen „Sebastian“ handelt. Dem war aber nicht so. Leider. Was bitte habe ich falsch gemacht und seit wann kündigt eine Bank Kunden, die sich „nett“ verhalten und immer einen positiven Saldo haben!? Anschließend spielte sich bei mir im Kopf ein Film ab: Was muss ich alles organisieren, damit ich in zwei Monaten weiterhin „flüssig“ bin? Wie schaffe ich das von meiner Reise aus? Geht das überhaupt so einfach? Und was ist bitte ist der verdammte Grund für die Kündigung?
Ich entschloss mich bei der Hotline anzurufen. Nicht direkt, ich brauchte paar Stunden um mein Gemüt zu beruhigen. Als ich mich dann angerufen hatte, war eine nette Dame an der Hotline die mich nach eine Tele-Pin fragte. What the hell? Natürlich hatte ich diesen nicht, wen wundert es? Auf Nachfrage ob sie mich was anderes Fragen könnte, wurde dies verneint. Klasse.
Ich checkte erneut meine E-Mails um das Kündigungsschreiben durchzulesen. Hätte ja sein können, dass ich was übersehen habe ^^ In diesem Moment erhielt ich Nachricht von der pakistanischen Botschaft aus Frankfurt: Ihr Visums-Antrag wurde abgelehnt. WAAAAASSSSSSSS? Was bitte geht hier ab? Ein Grund stand ebenfalls nicht dabei. War ja klar, heute waren die „Gründe“ anscheint „ausgegangen“. Man teilte mir in dem Schreiben ebenfalls mit, dass ich bitte persönlich vor Ort zu einem Interview erscheinen sollte. Soweit so gut. Leider ist Pakistan das mir einzig bekannte Land auf der Welt, wo man das Visum nur in dem eigenen Land in der jeweiligen Botschaft beantragen kann. Das würde für mich bedeuten, dass ich nach Deutschland fliegen müsste. Kurzfristig. Um Silvester. Klar, ist ein Schnäppchen. Ich habe es ja.
Meine Laune sank auf einen neuen Tiefpunkt seit Monaten. Alternativen gab es für mich nicht wirklich welche. Ich könnte auf Pakistan verzichten und über Turkmenistan, Usbekistan, etc. fahren. Dort sind aktuell schnuggelige -20 Grad. Danke, nein. Über den Oman verschiffen nach Mumbai? Würde eventuell gehen, aber kostet ebenfalls ein Vermögen.
Und bei euch so ?
