Abschied, der Dritte

Ist ist 5:23 Uhr, iranische Zeit. Es nieselt etwas und es sind sagenhafte minus drei Grad :/ Ich bin vor ca. 20 Minuten im Heritage Hostel in Tehran angekommen und versuche gerade diese Zeilen zu verfassen … Ich bin vor einigen Stunden am internationalen Flughafen gelandet, kommend aus Deutschland. Berta stand dort 8 Tage und sie hat sich gefreut, als ich sie abgeholt habe 🙂 Anscheint hat es ihr nicht so gut gefallen auf dem Parkplatz zwischen den ganzen nicht 4×4 Autos 🙂 Naja, Mädels, nie kann man es ihnen recht machen ^^ Die ca. 45-minütige Fahrt vom Flughafen zum Hostel war irgendwie verrückt. Ich war tot müde, da ich einen 4 stündigen Aufenthalt in Istanbul hatte. Hinzu kam, das Berta dachte, dass es nun endlich wieder weiter geht statt “zurück nach Tehran” .. und die Straßen der Hauptstadt waren so leergefegt wie sie um 4 Uhr morgens nur sein konnten ^^ Ich hatte nicht wirklich geplant gehabt, während ich auf meiner Weltreise bin, die Heimat zu besuchen. Nicht, weil ich nicht wirklich wollen würde oder weil ich keinen vermisse, sondern um das dadurch entstehende Gefühlschaos zu umgehen. Naja, wie das Schicksal so will, war ich nun bereits das zweite Mal in der Heimat. Beim ersten Mal musste ich, nachdem ich in Italien von meinem Hab und Gut erleichtert wurde, neue Reisedokumente beantragen. Da mir viele wichtige Dokumente gestohlen wurden, ging das nicht so ohne weiteres in einer deutschen Botschaft in Italien. Beim zweiten Mal bat mich die pakistanische Botschaft “freundlich” um ein persönliches Interview in der pakistanischen Botschaft in Frankfurt, sofern ich durch Pakistan fahren wollen würde. Leider werden Visa-Anträge aktuell nur in der Botschaft in Deinem Heimatland vergeben. Für mich also Deutschland. Verrückt, aber das sind aktuell die Regeln. Da die Route durch Pakistan für mich aktuell die günstigste Option war nach Indien zu kommen inkl. mit Berta, gab es für mich leider keine andere Wahl als wieder kurz nach Silvester nach Hause zu fliegen … Ich weiß mittlerweile wie schwer mir ein Abschied von der Familie oder meinen engsten Freunden fällt. Der Unterschied, so dachte ich, war, dass ich nun beim dritten Abschied weiß, was kommen wird. Fehlanzeige. Der “Abschieds-Schmerz” kam erneut bei ca. ein Tag vor Abflug. Leider. Bei mir äußert er sich indem ich ruhig werde gepaart mit keiner guten Laune .. Eigentlich total verrückt, da ich ja noch da bin, aber naja .. so ist es nun mal :/ Innerlich ist es für mich jedenfalls eine Achterbahn der Gefühle. Von meinen Freunden und Familie (den meisten zu mindestens) habe ich mich bereits vor kurzem oder vor Tagen verabschiedet. Auf der anderen Seite gibt es auch ein Teil in mir, der sich endlich wieder freut das die Reise weiter geht… die neuen Abenteuer, Erfahrungen, Inspirationen, Menschen, Kulturen, etc. die auf mich warten. Endlich wieder “frei” zu sein und jeden Tag zu entscheiden was ich heute machen will .. Jedoch bemerke ich, als ich im Hostel angenommen bin, wie mein “Flow” der letzten 5 Monate fast verflogen war ;( Ich habe das Hostel vor 8 Tage mit voller Energie verlassen und mit so wenig bin ich wieder zurückgekommen. Nicht, weil es nicht wunderschön war in Deutschland, sondern der Schmerz, der in mir ist, sich von so vielen tollen Menschen erneut sich zu verabschieden. Ein drittes Mal. Ich hoffe heute Nachmittag, nachdem ich mein Jetlag auskuriert habe, sieht die Welt wieder anders aus … auch wenn ich weiß, dass ich wieder Tage brauchen werde zu dem “Flow” zurück zu kommen, den ich hatte bevor ich in der Heimat war. Gute Nacht.

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