Iran

A amazing country behind our political view

Kein Land, dass ich bis jemals in meinem Leben bereist hatte, hatte mich nachbetrachtet so sehr fasziniert als auch geprägt wie dieses warmherzige, aufgeschlossene und überaus gastfreundschaftliche Land! Es begann bereits an der Grenze, die ich mit großem Respekt passiert hatte. “Was mich wohl im verbotenen Land alles erwarten wird”, dachte ich mir? Und genau diese Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse habe ich in einem separaten Blog-Beitrag niedergeschrieben, da es zu viel wäre dies im Detail hier wiederzugeben .. jedoch kurz zusammengefasst: Es kommt ja bekanntlicherweise immer anders als erwartet!

Ich entschied mich kurzfristig, nachdem ich die Grenze passiert hatte, Tabriz für meine erste Übernachtung im Iran anzusteuern. Tabriz ist einer der größten nördlichen Städte und es gibt dort den größten Bazaar der Welt. Ebenso gilt Tabriz auf der Seidenstrasse als Dreh-und-Angelpunkt für den An- und Verkauf von Teppichen. Wenn man also einen besonderen Teppich sucht, dann findet man diesen definitiv hier. Let’s go!

Bevor ich jedoch Tabriz erreichte, lerne ich Xavier und Arnould kennen. Ich sah Xavier wie er such auf seinem Fahrrad “ab”strampelt, als Berta und ich gemütlich die Landstraße entlang fuhren. Yeah, auch ein Reisender, dachte ich mir… das verriet mir auf jedenfall sein Fahrrad, welches bis oben hin vollgepackt war mit keiner Ahnung was. Ich entschied mich spontan anzuhalten um „Hallo“ zu sagen. Das erste Mal auf meiner Reise, dass ich angehalten habe, um jemanden zu begrüßen oder besser gesagt „zu stoppen“. Ein etwas komisches Gefühl … ich habe es jedoch nicht bereut. Xavier ist seit knapp einem Jahr unterwegs, ist Franzose und hat das gleiche Ziel wie ich. Neu Seeland! Yeah, guter Mann! Arnould ist ein enger Freund von Xavier, er begleitet ihn für zwei Monate bei seinem Vorhaben! Cooler Freund, er hatte direkt meinen Respekt =) Wir verbrachten anschließend in Tabriz die nächsten Tage zusammen und hatten eine Menge Spaß. Während unseren Aktivitäten in Tabriz gabelten wir zwei weitere Radler auf – Jakob und Joel. Beide aus Schweden, genauso verrückt wie wir und definitiv lustige Zeitgenossen! Nun waren wir schon zu fünft =)

Weihnachten stand vor der Tür. Wir haben uns entschlossen dieses Fest gemeinsam zu zelebrieren und mieteten in Quazin ein Apartment. Jakob und Joel luden noch ein anderes Biker-Pärchen ein, welches sie unterwegs kennengelernt hatten. Somit war unsere Gemeinschaft für Weihnachten komplett! Sie setze sich aus zwei Schweden, einem Franzosen, einem Italiener, einem Schweizer, einer Spanierin und einem Deutschen zusammen. Verrückte Gemeinschaft.. wir feierten, spielten, kochten und erkundeten die Gegend gemeinsam – nicht zuletzt als Wildfremden fern ab unserer Heimat und unserer Familie in einem moslemischen Land, in dem Weihnachten nicht am 24.12. gefeiert wird. Eine einmalige Erfahrung die ich niemals missen wollen würde. Danke dafür!

Unsere gemeinsame Zeit näherte sich dem Ende und somit durfte ich erneut auf meiner Reise unter anderem lernen, ob ich wollte oder nicht, dass die meisten Begegnungen mit den Menschen oftmals nur von kurzer Dauer sind. Manchmal nur wenige Minuten, manchmal wenige Stunde oder ab und zu auch, wie die Letze, einige Wochen. So schade wie sich das anhört und wie schwer mir auch der Abschied oft von diesen Begebungen fällt, so gehört dies zum Reisen leider unweigerlich dazu. Ob ich will oder nicht.

Die Straßen brachten mich nach Tehran. Woho, war ich aufgeregt! Das ich mal die iranische Hauptstadt besuchen darf und auch werden, hatte ich mir vor einigen Jahren noch nicht vorstellen können! Einige Berichte über die Millionen-Metropole haben mich sehr fasziniert, dass ich teilweise Gänsehaut bekommen habe, wenn ich darüber nachgedacht hatte. Es war ein verrücktes sowie tolles Gefühl!

Die Vorfreude hielt aber leider nicht wirkliche lange an bzw. wurde „getrübt“, da Berta auf dem Weg plötzlich Probleme mit dem ersten Gang hatte. Wiesoooooooo gerade jetzt? Leider hat sich das Geräusch so gar nicht gut angehört. Ferndiagnose von meinem Dad und in Kurzform: Nicht gut! Und somit war meine erste Anlaufstelle ein Werkstadt-Besuch statt grandioser Sehenswürdigkeiten. Gesagt, getan. Diagnose: Die Mitnehmerscheibe ist im Arsch. Bitte was? Was zur Hölle ist eine Mitnehmerscheibe? Anscheint was Wichtiges, so durfte ich lernen.. und die Toyota-Werkstadt meines Vertrauens meinte, dass diese unbedingt ausgetauscht werden müsste. Was kostet der Spaß, fragte ich die Jungs? Viel, war die Antwort, aber viel „schlimmer“ war der Zusatz, dass die Lieferung der neuen Mitnehmerscheibe aus Dubai importiert werden müsste und das ca. 2-3 Wochen dauern würde inkl. Einbau. Yeah, was für tolle Botschaften! ;(

Ich habe meine Zelte für die den nächsten Wochen in einem Hostel aufgeschlagen. Ich brauchte definitiv, aufgrund der vielen Eindrücke der letzten Monate, eine Pause und war am Ende auch froh, nicht direkt weiter Reisen zu können / zu müssen und auch mal für paar Wochen einen Ort meine “Heimat”, zu mindestens vorübergehend, bezeichnen zu können. Berta konnte dies leider aktuell nicht sein, da sie ohnehin in der Werkstadt stand. Somit lernte ich im Hostel sowie auf meinen Erkundungstouren viele interessante Menschen kennen. Unter anderem ..

  • .. die vier Verrückten aus dem “Chaotic Cycling Club“, die mit dem Fahrrad von Deutschland nach Singapur unterwegs sind. Wir trafen uns anschließend nochmal im Süden von Iran.
  • .. das deutsche Pärchen Tine und Tommi, dass ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs ist und im Blog “ROLLING gen Osten” darüber berichtet.
  • .. Koohyar, der Tour-Guide des Vertrauens meines Hostels, der zusätzlich auf “Why not Iran” Touren durch Iran anbietet. Schaut mal bei ihm vorbei, es lohnt sich!
  • .. Linda und Philipp aus Deutschland, die auf Europa- & Asien-Tour sind und sich zur Ziel gesetzt haben ohne Flugzeug zu reisen.
  • .. viele Einheimische, mit denen ich eine tolle Zeit verbracht habe. Unter anderem Hamedeh, Nilu, Sam, Masoome, Shabnam, Paria und viele weitere interessante Menschen.

In der Regel, wenn Overlander in Asien unterwegs sind, nutzen Sie die Zeit in größeren Städten sich mit Visa-Angelegenheiten zu beschäftigen. So auch ich. Auch wenn das keine spaßige Aufgabe ist, so sollte man es zu einer machen, da dies sonst einen quasi um den Verstand bringt. Wieso? Jede Botschaft, selbst vom gleichen Land in unterschiedlichen Städten, haben ihre eigenen Regeln, Deadlines oder Besonderheiten. Beständigkeit? Pustekuchen. An zwei Tagen können zwei komplett unterschiedliche Regeln gelten für die identische Sachen. Willkommen in der nicht organisierten Bürokratie! Insbesondere Pakistan, zu mindestens bis vor kurzem. Durch meinen Verlust des Reisepasses in Italien, in dem unter anderem mein Pakistan Visum war, war ich gezwungen erneut ein Visum zu beantragen. Das versuchte ich, jedoch teilte mir die pakistanische Botschaft in Tehran mit, dass ich ausschließlich in Deutschland mein Visum beantragen kann. Fragt bitte nicht, aber ja, ich bin für knapp zwei Wochen nach Hause geflogen und habe das “verdammte” Visum dort beantragt und auch glücklicherweise bekommen. Meine Alternative wäre gewesen über Turkmenistan & Co nach Indien zu reisen oder eventuell über den Oman und ein Boot nach Mumbai. Aber sowohl die Turkmenistan-Route wäre im tiefsten Winter gewesen und über den Oman würde es mich ein Vermögen kosten, um nach Indien zu kommen. So fand ich, dass Pakistan die beste als auch interessanteste Route für mich war.

Als ich in Frankfurt gelandet war, war das “leider” alles andere als ein schönes Gefühl. Bitte nicht falsch verstehen. Die Vorfreude meine Familie und und meine Freunde zu sehen waren größer denn je, dennoch sagte mir mein Gefühl im Inneren, dass es einfach noch nicht Zeit war zurück zu kommen bzw. meine Reise abzubrechen. Das hatte ich auch nicht vor, aber das Gefühl, welches ich hatte, bestärkte mich, dass ich auf meinem Weg richtig bin und ich die Reise fortsetzen soll / will / muss. Ich glaube fest an das Schicksal bzw. das alles was passiert nicht ohne Grund passiert. Und somit glaube ich auch daran, dass ich unter anderem aus diesem Grund nach Hause fliegen “musste” um diese Erkenntnis zu erlangen sowie zu spüren, dass ich aktuell auf dem richtigen Weg bin. Meiner Reise.

Als ich das pakistanische Visum in der Tasche hatte und wieder zurück im Iran war, brauchte ich dennoch wieder einige Zeit um meine Energie, die bei dem Reisen entsteht, zurück zu bekommen. Leider. Mehr dazu in diesem Blog-Beitrag.

Es folgten daher einige harte Tage in Tehran, jedoch anschließend auch glücklicherweise wieder einige gute Tage … und somit hatte ich meine Energie wieder zurück um meine Reise aus Tehran fortsetzen zu können. Ich setzte mich in Berta, welche mich sichtlich vermisst hatte, startete den 6 Zylinder Motor und los ging es Richtung Süden zu neuen Abenteuern!

Wir passierte die Millionen Metropole Qom und anschließend eine kleine Wüstenstadt namens Kashan. Ich entschied mich eine Nacht in der Wüste zu verbringen – mehr dazu habe ich hier verfasst. Es ging weiter auf der Seidenstraße zur faszinierenden Stadt Isfahan und zum alten Weltwunder Persepolis. Die atemberaubende Stadt Shiraz lag ebenfalls auf meiner Route und nicht zuletzt die Kalut Wüste. Einer der heißesten Wüsten des Planeten mit einem der spektakulärsten Landschaft! Faszinierend. Trotz meines zweiten Sandsturmes, dem ich in der Wüste ausgesetzt war 😉

Meine Zeit im Iran neigte sich dem Ende. Ich kam Pakistan immer näher und ich wusste, dass es der Abschied kurz bevor stehen würde. Der Besuch und das Kennenlernen der Menschen im Iran standen als ein Punkt auf meiner Bucket-Liste. Und ja, jede Sekunde, Minute, Stunde oder Tage habe ich genossen und wurde mit so viel mehr beschenkt, als ich mir jemals erträumen hätte können. Ich konnte sehen, was bedingungslose und herzliche Gastfreundschaft wirklich bedeutet. Danke dafür!

Der Iran lehrte mich folgendes:

„Lege Deine Vorurteile gegenüber Kulturen, über Religionen und insbesondere über Menschen ab, die Du in Deinem Leben selber noch nie besucht, gesehen oder getroffen hast. Starte hingegen Deine eigenen Recherchen und glaube diesen mehr als von anderen Menschen oder ins besonders von Medien!“

Meine Blog-Beiträge aus dem Iran:

Besondere Momente

  • » Der Grenzübergang zum Iran
  • » Xavier kennenlernen zu dürfen und viele andere besondere Menschen / Reisende
  • » Tehran zu sehen sowie zu erkunden
  • » Meine erste Wüstennacht
  • » Die unglaubliche große Gastfreundschaft und zu erfahren, woher diese kommt
  • » Der spontane sowie ungeplante Besuch bei Einheimischen in Safashahr. Danke für die zwei wundervollen Tage!
  • » Der Besuch in der Kalut-Wüste
  • » Für die immer und allgegenwertige Hilfe, die ich überall und zur jeder Zeit spüren durfte