Slovenien

Besondere Momente kommen meist unerwartet

Da war endlich der Moment! Der Moment, in dem ich nun endlich Italien den Rücken zu kehren kann. Ja, ich weiß, das klingt jetzt “nicht gerade nett” .. aber hey, so wirklich tolle Erfahrungen habe ich einfach nicht gesammelt in Italien. Leider. Ich hab mir das irgendwie auch anders vorgestellt… und das lag jetzt nicht nur an dem Einbruch. Auch sonst war ich irgendwie nicht so begeistert. Sicherlich, Italien ist ein wundervolles Land und wenn ich eventuell mehr Zeit dort verbracht hätte oder auch eventuell weiter in den Süden gefahren wäre als im Norden, würde sich eventuell meine Meinung auch ändern. Aber so ist es nunmal nicht … und daher bin ich jetzt froh ein neues Land zu bereisen und das Kapitel “Italien” erst einmal abzuschließen. Hallo Slovenien!
Ein paar Kilometer hinter der Grenze fanden Berta und ich einen grooooßen Parkplatz und wir entschieden uns dort unser Nachtcamp aufzuschlagen. Ich suchte Schutz hinter einer kleinen Ansammlung von Bäumen, so dass Berta von eventuellen vorbeifahrende Autos nicht gesehen werden konnten. Glücklicherweise war ein Fluss in der Nähe und somit freute ich mich auf mein abendliches Reinigungs-Ritual!

Da weit und breit keine Menschenseele zu sehen war, entschied ich mich zum Fluss zu laufen so wie wie Gott mich Schuf ^^. Am Fluss angekommen, vollzog ich den alt bekannten Fußzeh-Move um die Wasser-Temperatur zu ermitteln. In dem Moment wo mein Zeh das Wasser berührte, blieb mein Herz stehen … Shit, definitiv keine Wasser-Temperatur um ein entspanntes Bad zu nehmen… und definitiv auch zu kalt selbst für ein nicht entspanntes Bad! Ich dachte lediglich daran, wenn ich wirklich in dieses Wasser gehen würde, dass mein Körper ein Schock erleiden wird! Verdammt, woher kommt plötzlich dieses kalte Wasser? In Italien war das Wasser im Verhältnis Badewannen tauglich … Klar, aus den Bergen, haha, aber etwas wärmer hätte es wirklich sein können. Naja, ich entschied mich jedenfalls nicht in den Fluss zu springen. Mittlerweile fror ich und es hatte auch noch angefangen zu regnen :/ Als ich mich umdrehte, um zurück zu Berta zu laufen, bemerkte ich, dass ich Zuschauer hatte. Fuck! Woher kommen die plötzlich? Ja, wie ich feststellen musste, hatten die sichtlich ihren Spaß bei dem Schauspiel was sich da vor ihnen abgespielt hatte. Auch wenn ich kein Wort verstand was sie unter einander quatschten, so war es mir bewusst, worüber hier gerade gesprochen wird :/ Ja, die hatten ihren Spaß! Ich definitiv nicht. Und natürlich musste ich noch an ihnen vorbei um zu Berta zu kommen. Klar, alles andere wäre ja auch zu einfach gewesen … Die musterten mich, ich musterten die … Angler, alle samt Angler. Anscheint eine Familie – von Jung bis Alt war alles dabei. Naja, shit happens! Was habe ich daraus gelernt? Nimm immer ein Handtuch mit, wenn Du baden gehst! Auch in middle of nowhere 😉 ^^

Auf wundervollen Bergstraßen ging es weiter für uns in Richtung Hauptstadt. Hand aufs Herz – wer hat schon einmal was von Ljubljana gehört? Ich nicht allzu oft und irgendwie, ich weiß nicht wieso, wenn ich den Namen höre, verzaubert er mich. Ljubljana. Wow, was für ein Name … und was für eine Stadt erwartet mich? Auf dem Weg dorthin übernachtete ich jedoch erst einmal an wunderschönen Plätzen, meistens in der Nähe von Flüssen. Ich liebe es am Wasser Zeit zu verbringen und noch mehr liebe ich es in der Nähe von Wasser zu übernachten … gesagt, getan.

Ebenfalls stellte ich mit großer Freude fest, wie gut hier die Straßen im Verhältnis zu den italienischen sind. Top Qualität! Keine Schlaglöcher! Inkl. wunderschöner Aussicht. @Joachim, wenn Du das hier liest: Pack Dein Moppet ein, ab nach Slowenien und genieß die leeren Straßen hier! Du wirst die Serpentinen und die Kurven lieben. Versprochen!

Da war ich endlich in Ljubljana angekommen und mir blieb nicht einmal eine Nacht ;( Wieso ? In Städten zu campen ist für mich und Berta leider oft recht kompliziert … es gab zwar paar offizielle Plätze wo wir hätten übernachten können, aber als wir dort angekommen war stelle ich “mal wieder” fest, dass wir zu spät waren und somit alle freien Plätze bereits vergeben waren. Typisch für uns … ähm für mich. 0 Plan, und davon eine Menge … That‘s my life ^^ Ich entschloss mich daher “nur” die Altstadt und die Burg oberhalb der Altstadt zu besichtigen. Was mir während des kurzen Besuches aufgefallen ist, dass die Menschen alle sehr freundlich sind! Sie lächeln einen an, begrüßen einen sehr freundlichen und sind sehr offenherzig. Als Deutscher nicht unbedingt eine alltägliche Erfahrung die einem wieder fährt und somit genoss ich sehr die Zeit in der Hauptstadt!

Ich zog am späten Nachmittag weiter in Richtung Osten. Ich fand in der App Park4Night einen interessanten Eintrag. Im Eintrag stand, dass jeder Overländer mit seinem eigenen “Vehicle” herzlich willkommen ist … Toilette und Dusche sind vorhanden. Costa Quanta: Zero! WOHO. Checkpot! Auf zum Bauernhof!

Es war es bereits fast dunkel, als ich angekommen war. Keine wirklich gute Entscheidung so spät anzureisen, dachte ich mir … aber irgendwie ging es auch nicht anders. Ich parkte am Straßenrand außerhalb des Bauernhofes um erst einmal die Lage “zu checken”. Vielleicht hat sich jemand ja auch einen schlechten Scherz erlaubt und wollte nun mal schauen, wie viele Dumme darauf reinfallen. “Egal” dachte ich mir … das Einzige was mich erwarten kann sind neue Erfahrungen!

Die Stunde der Wahrheit ist gekommen! Ich passierte das Hoftor und sah in der Ferne einige Personen wie sie sich unterhielten. Sie bemerkten mich recht schnell und einer der Personen kam direkt auf mich zu. Wir verständigten uns kurz und realisierten: Ich kann kein Slowenisch und er kann kein Englisch. Suuuuuuper. “Das kann ja was werden”, dachte ich mir 🙂 Ich wurde zu den anderen Personen mitgenommen und mir wurde direkt ein Glas Rotwein mit hausgemachtem Käse und Brot eingeladen. Yummy! Verlegen aber dankend habe ich das Angebot angenommen und kam mit einem älteren Herrn ins Gespräch. Er konnte gut Englisch bzw. sogar besser als ich (was nicht so schwer ist ^^) und wie sich herausstellte, war er der Besitzer des Hofes. Ein sehr angenehmer Zeitgenosse, dachte ich mir. Als Willkommens-Geschenk habe ich ihm eine Flasche Weißwein angeboten, den ich auf einem italienischen Weingut vor einigen Wochen gekauft hatte. Danke @Susi für die Empfehlung! Er nahm das Gastgeschenk dankend an, zeigte mir wo Berta und ich die Nacht verbringen konnten, lud mich zum Frühstück am nächsten Morgen ein und dann hieß es auch schon: Gute Nacht!

Da saß ich nun. 8 Uhr morgens, in einer alt bürgerlichen Küche und aß mit einer wild fremden Familie Frühstück. Das klingt verrückt? Das ist es definitiv auch! Dennoch, das Frühstück war unfassbar (!) lecker! Das lag zum einen an den grandiosen Koch-Skills der Köchin, aber auch daran, dass alles was hier serviert wurde 100% Bio ist. Eigener Anbau hießt das Rezept! Egal was ich aß … von den Eiern angefangen bis hin zur Milch, Butter, Säften, Salami oder gar den Speck. Unglaublich. Ich glaube, das Einzige was nicht selber angebaut war, waren die Kaffee-Bohnen für den Kaffee ^^

Während des Frühstückes unterhielten wir uns über Gott und die Welt und ich fand heraus, dass man für freie Kost und Logis auf dem Bauernhof arbeiten kann. Da ich noch keine Idee für den Tag hatte was ich machen wollen würde und ich eine gewisse Gegenleistung erbringen wollte für die große Gastfreundschaft, entschied ich den Tag auf dem Bauernhof zu verbringen, um zu helfen. Es ging direkt los und ich war mit Fallobst sammeln, Ställe ausmisten und Bohnen säubern beschäftigt. Was man halt so auf einem Bauernhof alles macht ^^ Bei einigen Arbeiten war ich alleine, bei anderen haben wir zusammen gearbeitet. Zusammen arbeiten bei stupiden Tätigkeiten macht definitiv mehr Spaß, glaubt mir! Während diesen “stupiden Tätigkeiten” haben wir uns wechselseitig Erfahrungen ausgetauscht, die wir bis “jetzt” in unserem Leben gesammelt haben. Jetzt denken viele vielleicht: “Das ist doch nur ein Bauer” … ja, das stimmt. Aber dieser Bauer liest unter anderem jeden Morgen seit vielen Jahrzehnten mehrere unterschiedliche Tageszeitungen (nein, nicht nur lokale Themen!) und hat somit ein großes Allgemeinwissen und eine fundierte politische Meinung zu fast “allem”. Ich war beeindruckt! Er versucht mit mir über die aktuelle politische Lage in Brasilien und über ein Land in Ost-Asien zu sprechen. Ich musste leider passen!

Stattdessen unterhielten wir uns über das Sinn des Lebens, was eine glückliche und respektvolle Beziehung ausmacht und was Liebe bedeutet. Wie wir auf diese Themen am Ende kamen, kann ich nicht mehr wirklich sagen … aber vieles was ich gehört habe hat fand ich sehr interessant. Was war das Geheimrezept hinter dem Lebenskonzept was er mit seiner Frau hier führte? Und das seit über 50 Jahren. Er meinte, und das aus tiefster Überzeugung, dass er unglaublich glücklich ist und sich kein anderes Leben vorstellen könne. Was ebenfalls sehr bemerkenswert war, dass er bei jedem wichtigen Thema, welches wir diskutierten, die Arbeit niedergelegt. So viel Respekt in einer Konversation habe ich selten erlebt, insbesondere von einem Fremden, und fand dies zu tiefst beeindruckend!

Während des Nachmittags bemerkte ich, dass mein Gastgeschenk bereits geöffnet wurde und er alle Stunde zum Kühlschrank lief, um das Glas wieder nachzufüllen. Haha, cooler Typ! Er bedankte sich vielmals für den Wein und meinte, dass er gar nicht gewusst oder erwartet hätte, dass das so ein feines Tröpfchen ist.

Nun, es wurde Abend. Wir saßen nun allen zusammen, plauderten, tranken Wein und aßen zu Abendessen. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen erneut und ich entschied mich noch einen Tag länger zu bleiben. Am nächsten Morgen ging die Routine wieder von vorne los. Früh aufstehen, Kaffee, Arbeiten, Frühstück, Arbeiten, unterhalten, Arbeiten und wieder unterhalten. Am Ende des Tages haben wir gemeinsam Apfelsaft gebraut auf altere herkömmlicher Art und ich habe direkt paar Flaschen für die Weiterfahrt eingepackt inkl. paar andere Köstlichkeiten aus eigenem Anbau.

Nun hieß wieder Abschied nehmen. Als Dankeschön habe ich die zweite Weißweinflasche ausgepackt und dem Bauern geschenkt. Überglücklich nahm er das Gastgeschenk an und meinte: Diese Falsche wird an Weihnachten geöffnet! Somit verabschiedeten wir uns herzlichst ich meine Fahrt ging weiter Richtung Kroatien …

Besondere Momente

  • » Ein nächtliches Gewitter in den Bergen das so heftig war, dass das ganze Auto aufgrund des Donners vibrierte.
  • » Die wundervolle Natur / Berge / Flüsse, die ich aufgrund der Off-Season quasi für mich allein hatte.
  • » Zwei grandiose Tage bei einer Bauern-Familie, bei denen ich viel über das eigentliche Leben, abseits der Getriebenheit, gelernt habe.
  • » Ljubljana, welche ich leider nur kurz besuchen konnte, aber dennoch sehr interessant fand. Ich komme wieder!