Für ein bisschen ungarische Würze…
Hey Seb!
Zuallererst will ich dir eine tolle Reise wünschen, mit ganz vielen Eindrücken und Erlebnissen, die dein Leben bereichern werden. Denn wenn ich etwas in den letzten Jahren über Veränderungen und neue Herausforderungen gelernt habe, ist es, dass es schwer ist lieb gewonnenes los zu lassen, aber es sich immer lohnt seinen Horizont zu erweitern.
Und falls es dich auf deiner Reise irgendwann auch wieder nach Europa verschlägt und du Lust auf Kultur, Architektur und gutes Essen hast, darf ich dir eine der schönsten Städte des Kontinents ans Herz legen: Budapest. Die Ungarn haben ein besonderes Talent Melancholie und Freude miteinander zu verbinden. Historisch haben sie viel mitgemacht, aber sie zelebrieren ihre Niederlagen mit sehr viel Stolz und haben gelernt Freude aus den kleinen Dingen zu schöpfen. Und so halten sich auch in Budapest kleine, staubige Straßen mit Häusern, an denen der Putz herunter bröckelt mit wundervollen Prunkbauten die Waage und das ganze entwickelt eine ganz eigene Harmonie. Aber was wäre so ein Tipp, ohne meinen kleinen persönlichen Guide durch die Hauptstadt des Heimatlandes meiner Eltern?
Die Margareteninsel (Margitsziget), Fischerbastei mit Matthiaskirche und Burgviertel (Halászbástya), Heldenplatz (Hösöktere) (nimm hier auf jeden Fall den nebenanliegenden Park und den Zoo mit) und das berühmte Gellertbad (Gellert fürdö) sind, auch wenn sie in jedem Reiseführer zu finden sind, definitiv einen Besuch wert.
Wenn du aber nach dem besten Ausblick über die beiden miteinander verwachsenen Städte haben möchtest, empfehle ich dir einen Abstecher auf dem Janosberg (Jánoshegy). Es gibt einen kleinen, sehr alten Sessellift (Libegö), der von der Bodenstation hochfährt, den ich immer nehme, auch wenn man mit dem Auto hochfahren könnte. Oben angekommen gibt es neben einem Spazierpfad einen kleinen Aussichtssturm (Erzsebet-kilátó). Von dessen Spitze man weit über beide Städte Buda und Pest hinweg sehen kann. Auf dem Aussichtssturm stehst du im Übrigen in Buda, falls du dich wunderst welche Stadt nun welche ist.
Solltest du dann nach einem ausflugsreichen Tag in Budapest nach einem kulinarischen Ausgleich suchen, hätte ich gleich drei Optionen:
Café New York – es ist ein Cafe aus der Gründrezeit um 1890 erbaut. Prunkvoll ist definitiv das richtige Wort um die Inneneinrichtung zu beschreiben – in früheren Zeiten trafen sich hier die Literaten und Intellektuellen Ungarns. Im Gegensatz zum üppigen Dekor wirkt das Essen fast wiederum bodenständig, aber man sollte die Küche definitiv nicht unterschätzen.
Gundel Restaurant – Etwas weniger golden und schnörkelig als das New York, aber nichtsdestotrotz im feinstem Jugendstil und Rokoko ausgestalten, ist das Gundel auch eins dieser besonderen Restaurants Budapests. Einer von Ungarns berühmtesten Köchen Károly Gundel übernahm das Restaurant mit 25 Jahren. Hier kannst du neben internationaler Küche auch viele traditionelle ungarische Gerichte genießen und wenn ich eine Empfehlung für den Nachtisch aussprechen dürfte, wären das die Gundelpfannkuchen nach dem Namensgeber des Restaurants benannt. Pfannkuchen mit Rum-Rosinen-Nussfüllung und einer Rum-Schokoladensauße. Eine der bekannstesten Vertreter der ungarischen Küche und das nicht umsonst.
Und schließlich für ein authentisches ungarisches Erlebnis, solltest du mal einen Besuch in der Markthalle einplanen. Sie schließt meistens zwischen 17 und 18 Uhr, sei also nicht zu spät dran. Hier findest du natürlich einen klassichen Markt mit Gemüse, Fleisch und Fisch aber auch dem guten ungarischen Paprikagewürz, frischer ungarische Paprika in verschiedensten Varianten (Vorsicht, die meisten sind vermutlich scharf!), Kolbasz (der traditionellen Paprika-Salami) und vielen mehr. Aber auch hier kann man sich durchschlemmen und definitiv hausgemachte Kost aus ungarischen Küchen genießen. „Halászlé“ (Fischersuppe) und „Krumplis tészta“ (Nudeln mit Kartoffeln – schmeckt besser als es klingt), „Langós“ und natürlich „Pörkölt“ (Gulasch mit Nudeln) und „Gulyaslevés“ (die Gulaschsuppe im Unterschied dazu) kann man da durchaus mal finden, aber auch sonst vieles, was das Herz begehrt. Bei den Backwaren findet sich definitiv auch die eine oder andere Köstlichkeit. Nicht zuletzt, weil das ungarische Mehl irgendwie einfach anders schmeckt. Solltest du irgendwo „Pogacsa“ entdecken, nimm dir eine Tüte mit! Es ist kleines rundes oder eckiges Käsegebäck aus Blätterteig. Fettig und lecker – aber genau das richtige, wenn man z.b. einen Tag am Strand verbringen will! Denn das ist auch eine der Lieblingsbeschäftigungen der Ungarn: Baden! Ob im Gellertbad, einem anderen Freibad, einem der kleineren Seen, der Donau oder dem Balaton. Gelegenheiten gibt es genug.
Und damit bleibt mir nur dir eine aufregende Zeit und nur das Beste zu wünschen!
Mit ganz vielen Grüße!
Viszontlátásra!
Rena
